A Countertenor's Christmas 2013
Gibt es wirklich soviel Weihnachtsmusik, dass man jedes Jahr etwas
Neues präsentieren kann? Sicherlich. Denn Weihnachten ist
tatsächlich nicht nur das Fest der Geschenke, das Fest des guten
Essens, das Fest der leuchtend geschmückten Häuser und Zimmer –
nein, Weihnachten ist auch und vor allem das Fest der Musik.
Natürlich wird auch in der Passionszeit, zu Ostern und zu Pfingsten,
den anderen hohen Festen der Christenheit, gesungen. Und doch ist es
Weihnachten etwas anderes. Zum einen sicherlich, weil die biblische
Geschichte hier selbst so voller Musik ist: namentlich die
himmlischen Heerscharen, die vom Himmel herabsteigen und Gott loben.
Deren Mund ist sicherlich voller Gesang. Und die Hirten auf dem
Felde, denen kann man zur Charakterisierung ihrer bäuerlichen
Frömmigkeit so manche Pastorale auf den Leib schreiben. Und
natürlich Maria: das Wiegenlied für das Jesuskind hat eine uralte
Überlieferungstradition. Wir können uns eine Mutter, die ihr Baby
beruhigen möchte, gar nicht anders als singend vorstellen.
Das ist das eine. Zum anderen aber ist das Weihnachtsfest eben auch
das im positiven Sinne gefühlvoll heiterste unter den großen Festen.
Die Trauer der Karwoche kannte lange überhaupt keine Musik, der
Jubel zu Ostern wurzelt im schier unbegreiflichen Wunder der
Auferstehung, und Pfingsten trägt schon an sich eine Botschaft des
Wortes, nicht der Klänge in sich. Musik aber spricht am
unmittelbarsten unser Gefühl an. Musik muss nicht erklärt werden,
sie findet einen ganz direkten Weg zu unseren Herzen. Und deshalb
gehören das Weihnachtsfest und die Musik so eng zusammen. Gewiss,
mag könnte gerade sie Musik zum Christfest am ehesten kitschig
schimpfen, so wenig will sie oft wissen von Zweifel und Verdruss,
aber eben das ist ja ihre Aufgabe, ihr Anliegen. Vom Guten zu reden,
von Schönem. Und jeder, der selbst eine künstlerische Ader in sich
spürt, wird wissen, wie schwer gerade das ganz Schöne zu sagen und
zu schaffen ist. Das Kritische geht uns leicht von den Lippen, die
pure Schönheit macht uns zu schaffen. Und doch setzen sich immer
wieder Musikerinnen und Musiker daran, die Weihnachtsfreude poetisch
einzufangen. Heute hören wir wieder etwas davon, zu großen Teilen
diesmal aus dem anglo-amerikanischen Raum, der traditionell der
Schönheit in der Kunst weniger misstraut als wir. Vielleicht können
wir genau das aber von dieser Musik lernen.
Thomas Höft